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Gold
Seit jeher hat Gold die Menschen fasziniert. Es ist ein Mythos und ein Investment zugleich. Seine Seltenheit macht das Edelmetall zu einer begehrten Wertanlage, wie die immer neuen Goldpreisrekorde der vergangenen Monate einmal mehr unterstrichen haben.
Aber, was sollte man noch über Gold wissen?
Ist Gold wirklich selten, oder kommen wir nur nicht ran?
Tatsächlich würden sich Edelmetalle wie Gold oder Platin in für Menschen unerreichbaren Tiefen der Erde verstecken, hätte es in der Vergangenheit unseres Planeten nicht Ereignisse gegeben, die den irdischen Goldvorrat ergänzten. Aber der Reihe nach.
Der „Goldschatz“ unserer Erde speiste sich ursprünglich aus der Hinterlassenschaft massereicher Sterne, die „erbrüteten“ Gold und andere Elemente in ihrem Inneren, um sie schließlich in gewaltigen Explosionen ins All zu schleudern. Dieses Material bildete den Ausgangsstoff, aus dem vor etwa vier Milliarden Jahren unsere Sonne und ihre Planeten entstanden.
Doch diese in der frühen Erde vorhandenen Gold und Platin-Vorräte konzentrierten sich in der Phase der Ausdifferenzierung des Planeten im Erdkern. Wo sie heute noch lagern, in für Menschen unerreichbaren Tiefen von einigen tausend Kilometern. Rund 99 Prozent des irdischen Goldvorrats ruhen in diesem für uns dauerhaft verschlossenen Tresor.
Dass wir nicht ganz auf das glänzende Metall verzichten müssen, verdanken wir Gesteinsbrocken, die in der Frühphase der Erdgeschichte mit der Erde kollidierten. Auch diese Brocken bestanden zum Teil aus dem kostbaren Material, das auch die äußeren Schichten unseres Planeten mit Edelmetall anreicherte. Durch Vulkanismus gelangte das Gold schließlich in den Bereich der Erdkruste, wo wir es heute fördern können. Und das ist dann wiederum recht wenig.
Jeder hat schon einmal gehört, dass die gesamte je geförderte Goldmenge in einen Würfel von etwa 21 x 21 Metern passt. Und das stimmt.
Wer hat denn das ganze verfügbare Gold letztlich in Besitz und wo liegt es?
Die weltgrößten Goldreserven besitzen die USA, gefolgt von Deutschland und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), welcher jedoch im September 2009 ankündigte, sich von insgesamt 403 Tonnen Gold, das heißt einem Achtel seiner Reserven zu trennen. Den Goldverkauf empfahl im Februar 2007 ein achtköpfiges Beratergremium, dem überwiegend ehemalige und amtierende Notenbankchefs (darunter Alan Greenspan und Jean-Claude Trichet) angehörten. 200 Tonnen wurden an die Reserve Bank of India, sowie 10 Tonnen an die Central Bank of Sri Lanka und 2 Tonnen an die Bank of Mauritius verkauft. Die restlichen 191 Tonnen des IWF-Goldes sollen am offenen Markt veräußert werden.
Teile der Goldvorräte der USA werden beispielsweise in Fort Knox gelagert. Der größte Teil des Goldes der USA lagert im Keller der Federal Reserve Bank of New York in Manhattan. Dort betreibt die US-Notenbank für rund 60 Staaten das mit 550.000 Barren größte Goldlager der Welt. Die weltweit in Banken gelagerten Goldreserven belaufen sich auf etwa 30.000 Tonnen. Die gesamte, jemals geförderte Goldmenge wurde Ende 2009 auf etwa 165.000 Tonnen (5,321 Milliarden Unzen) geschätzt. Dies entspricht einem theoretischen Marktwert von zurzeit 8.219 Milliarden US-Dollar ( bei 1.544,59 US-Dollar pro Feinunze, dem Goldpreis vom 09. Juni 2011). Der gesamte Goldbesitz aller Zentralbanken umfasste Ende 2009 rund 16 Prozent (26.780 Tonnen) der weltweit vorhandenen Goldmenge.
Die größten Goldbestände befinden sich aber tatsächlich in privaten Händen. Beispielsweise wird geschätzt, dass sich in Indien etwa 20.000 Tonnen Gold in privatem Besitz befinden. Verarbeitet werden 70 Prozent des Goldes weltweit durch Juweliere, 11 Prozent wird in Industrie (vor allem Elektronik) und Medizin (Zahnheilkunde) verbraucht und nur 13 Prozent werden durch Banken und Privatanleger für monetäre Zwecke in Form von Münzen und Barren verwendet.
Ist Gold der beste Inflationsschutz? Eine ernüchternde Betrachtung
Betrachtet man die Entwicklung des Goldpreises in US-Dollar, so hätte jemand, der 1974 (Beginn des freien Goldhandles nach dem Ende des Währungsregimes von „Bretton Woods“) einen Barren Gold gekauft hätte, bis heute eine Rendite von 1.064 % geschafft.
Auf Jahresbasis wären das 6,9 %.
Deutsche 10-jährige Bundesanleihen schafften in dieser Zeit 1.647 Prozent oder 8,1 % jährlich. Schon besser.
Globale Aktien (in € betrachtet) waren noch besser mit 2.736 % oder jährlichen 9,5 %.
Aber es lief ja niemals linear. Seit 1973 wurde ein Großteil der Goldrenditen in 5 kurzen Boom-Phasen realisiert, die im Schnitt etwa 16 Monate dauerten.
Gold ist also nicht einmal in einem Fünftel der Monate dieses Zeitraumes gestiegen.
Außerhalb dieser Boom-Phasen hat Gold einen Verlust von 62 %, oder Minus 3,2 % jährlich eingefahren. Also: Gold schwankt genau, wie andere Waren und Rohstoffe auch.
Ein weiterer Aspekt ist der Schutz vor Inflationsspitzen. Das hat zwar in den 70er Jahren einigermaßen geklappt, nicht aber in der Zeit danach. Meist war der Goldpreis in den 80er und 90er Jahren bei allen Inflationsspitzen bereits wieder auf dem Weg nach unten.
Eine logische Konsequenz: Wenn mein Geld weniger wert ist, brauche ich mehr davon und verkaufe mein Gold, schaffe Angebot, und drücke den Preis.
Wenn man von Gold als Inflationsschutz spricht, sollte man sich diese Entwicklungen bewusst machen. Gold stagniert tatsächlich oft für qualvoll lange Zeiträume und fällt eben auch. Der jüngste Boom dauert nun schon fast 40 Monate und ist daher untypisch.
Kann er anhalten? Natürlich kann er. Aber wie lange? Das Timing ist fast unmöglich zu finden. Und dann hält man an etwas fest, was fast 20 Jahre Verluste bringt, wie von 1983 bis 2004 schon einmal. Wer in der Preisspitze von 1980 Gold kaufte, hatte inflationsbereinigt im Mai 2010 knapp seine Kosten gedeckt. 30 Jahre später! Also jetzt kaufen?
Wie heißt es so schön:
„Wenn ich aus einer Spekulation nicht rechtzeitig heraus komme, heißt es dann: Investment.“
Gold ist natürlich dann ein hervorragender Inflationsschutz, wenn man die Papierwährungen dieser Welt insgesamt einem unrühmlichen Ende entgegengehen sieht.
Ansonsten waren bisher ein Fässchen Öl in der Garage – übersetzt: langfristige Wetten auf den Ölpreis oder der Kauf von Ölaktien – der bessere Inflationsschutz.
Was bedeutet Das jetzt für mich als Anleger?
Das, was jeder selbst aus diesen Fakten und seiner persönlichen „Wohlfühl-Einschätzung“ macht. „Etwas Gold gehört als Beimischung in jedes diversifizierte Portfolio.“
Oft gehört und nicht falsch. Aber in was messen wir es letztlich?
In seinem Gegenwert in Geld. Also betrachten wir letztendlich doch immer nur die Möglichkeit, es wieder in Geld zurück zu tauschen. Und das kann ich mit anderen Sachwerten auch.
Und selbst wenn ich vom totalen Wirtschafts-Gau ausgehe, essen kann ich es nie.
Die Kartoffeln vom eigenen Acker in der Eifel schon. Also dann doch lieber Grundstücke?
Marc Twain sagte schon: „Kauft Land Leute, Gott erschafft keines mehr.“
Stimmt auch weitgehend. Aber von Land kann ich enteignet oder vertrieben werden.
Politische Risiken, von denen die Substanzbesteuerung oder Zwangsabgaben noch die harmlosesten sind. Gold kann ich hingegen in die Tasche stecken und mitnehmen.
Obwohl auch der private Goldbesitz schon einmal verboten war (USA von 1933 – 1974!).
Aber mit Gold konnte man in den letzten 5000 Jahren immer wieder Waren erwerben.
Dennoch: Auch wenn die Goldmenge sehr moderat wächst (um nur etwa ein Prozent jährlich), sie tut es. Das Angebot an Gold ist also ziemlich starr, aber doch steigend.
Also bestimmt fast nur die Nachfrage den Preis (Wert). Und die ist ziemlich unberechenbar, eben auch sehr emotional und nicht nur rational gesteuert.


