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Klassische Unternehmensfinanzierung – Quo vadis?
Die EZB hat kürzlich ihren Leitzinssatz um 0,25 % gesenkt. Diese Nachricht wird manchen Marktteilnehmer erfreut haben, sieht er hierin doch eine Möglichkeit, Kredite zu noch günstigeren Bedingungen aufzunehmen.
Vom Grundsatz aus gesehen sicherlich keine falsche Betrachtung, wäre da nicht die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise, über deren Entwicklung täglich die Medien berichten.
Nach den Erfahrungen aus dem Fall Lehmann Brothers und dem sich hieraus in 2009 ergebenden Höhepunkt der Finanzkrise hat es eine Vielzahl von Überlegungen und Bestrebungen gegeben, einen Wiederholungsfall und insbesondere die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu vermeiden.
Man spricht beispielsweise von der Erhöhung der Kernkapitalquote der Banken von 7 % auf 9 % ihrer gewichteten Aktiva, ein Vorgang, der die Frage nach dem „Wie“ stellt.
Und damit findet sich der Anschluss zur Eingangsbetrachtung.
Es wird nicht nur einen Weg geben, um dieser Anforderung Rechnung zu tragen.
Zunächst liegt der Gedanke einer Aufstockung des Eigenkapitals nahe. Hier muss jedoch der Markt mitspielen, um eine solche Version vom Ergebnis und den Kosten als machbar und sinnvoll erscheinen zu lassen.
Es wird auch von einer Reduktion der Aktiva gesprochen, das heißt einer reduzierten Kreditgewährung oder sogar einem Abbau von Kreditbeständen in der Bilanz einer Bank. Dieser Weg der Schrumpfung wird nicht ohne Auswirkung z. B. auf die Gewährung von Unternehmenskrediten bleiben, ungeachtet des Ratings, das eine Gesellschaft besitzt.
Auch ist denkbar, dass Banken über strukturierte Finanzierungsmodelle versuchen, den drohenden Engpass einer Kreditversorgung entgegen zu wirken. Auch wenn man nicht gerne den Ausdruck „Kreditklemme“ in den Mund nimmt, schlussendlich ist eine solche Situation bei weiterer Verschärfung der aufgezeigten Entwicklung nicht auszuschließen.
Der Trend zu einer bankenunabhängigen Finanzierung ist nicht zu übersehen. Wer kann, finanziert sich heute im Vergleich zur klassischen Finanzierung anders, bzw. mit maßgeschneiderten Finanzierungsmodellen. Hierzu zählen u. a. die Begebung von Unternehmensanleihen und dergleichen, bzw. die Inanspruchnahme von öffentlichen Mitteln der KfW, NRW-Bank und ähnlichen Instituten, nicht zu vergessen, die Einbeziehung von Private Equity-Gesellschaften.
Losgelöst hiervon zeigt sich, dass die Unternehmen zunehmend dem „Liquiditätsmanagement“ ein besonderes Augenmerk widmen, gilt es doch, einerseits – bankenunabhängig – Liquidität im Rahmen der Möglichkeiten zu „bunkern“, bzw. Finanzierungen und Fristenstruktur so zu gestalten, dass vorzugsweise die Fälligkeiten aus dem operativen Cashflow bedient werden können.
Dieser Hinweis gilt zunehmend nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für den Mittelstand, der von der beschriebenen Finanzmarktlage besonders betroffen sein dürfte.
Dieser Weg der Finanzierung bedingt jedoch auch ein „Sich-Anpassen“ an die Rahmenbedingungen, die von den Marktteilnehmern auf der Geld-Beschaffungsseite gesetzt werden: Große Transparenz über das Unternehmensgeschehen, strukturierter Informationsfluss sowie eine gehörige Portion partnerschaftlichen Verständnisses.
Alles in allem wird es jedoch in Bezug auf die Konditionsgestaltung kaum zu einer Erleichterung kommen; vielmehr ist mit einer deutlichen schrittweisen Erhöhung der Finanzierungskosten zu rechnen, ein Umstand, der zu einem rechtzeitigen Sich-Einstellen auf diese Situation Anlass geben sollte.
Soweit in absehbarer Zeit Investitionsvorhaben, Firmen-Übernahmen oder dergleichen in Betracht gezogen werden, empfiehlt sich eine frühzeitige Aufnahme von Gesprächen mit der (Haus-) Bank, anderen Marktteilnehmern oder mit PNHR, Ihrem Partner, der Sie bei derartigen Überlegungen gern begleitet.


