Erbschaftsmediation - Erbauseinandersetzungen ohne Streit

Rechtstipp 05/2021

 

I. Ausgangslage

Der Inhaber eines Familienunternehmens und Vater von 3 Kindern ist in die Jahre gekommen und macht sich Gedanken um seine Nachfolge. Am liebsten sähe er es, wenn seine 3 Kinder das Unternehmen in der nächsten Generation gemeinsam in verschiedenen Funktionen fortführen. Die Kinder befinden sich noch in der Ausbildung oder im Studium, eines hat sich vor Kurzem mit Freunden selbständig gemacht. Einerseits möchten er und seine Frau die Kinder gleich und gerecht behandeln, weshalb beide die Kinder im gemeinsamen Testament zu gleichen Teilen als Erben eingesetzt haben. Andererseits sieht er aber auch, dass nicht jedes Kind in gleicher Weise zur Geschäftsführung des Unternehmens geeignet sein wird. Er und seine Frau hoffen, wenn er eines Tages verstirbt, dass sich die Kinder dann untereinander schon einigen werden, wie das Unternehmen fortgeführt wird und jedes Kind zu seinem Recht kommt. Doch halten beide es auch durchaus für möglich, dass der bisherige Familienfrieden in Gefahr geraten und es unter den Kindern zu anhaltenden Konflikten kommen kann.

Er fragt sich, wie er dem vorbeugen kann? Und auch die Kinder fragen sich schon vor und erst recht nach Versterben ihres Vaters, wie sie untereinander ohne Streit zu einer möglichst schnellen, guten und gerechten Lösung für alle kommen können?

II. Interessenlage

Die Interessenlagen sind zu einem großen Teil sehr unterschiedlich. Was der Unternehmensinhaber für die Zeit nach seinem Tod für seine Frau, seine Kinder und das Unternehmen will bzw. wollte, ist das eine. Was dann seine Frau und jedes einzelne Kind nach seiner individuellen Lebensplanung will, ist das andere. Allen gemeinsam liegt für gewöhnlich daran, dass die Frau und Mutter ihr gewohntes Lebensumfeld nicht aufgeben und sich auch im Alter keine finanziellen Sorgen machen muss. Außerdem sind sich meistens alle darin einig, dass sie trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten untereinander innerhalb der Familie keinen Streit wollen und das Unternehmen, an dem sie nach dem Tod des Vaters als Erbengemeinschaft beteiligt sind, auch nach der Erbauseinandersetzung in der Zukunft erfolgreich fortgeführt werden soll.

III. Erbschaftsmediation

Wenn sich abzeichnet, dass sich die (potentiellen) Erben nicht ohne Weiteres über die Fortführung des Unternehmens und/ oder die Erbauseinandersetzung untereinander werden einigen können, bietet sich als Verfahren zur Lösung eine Erbschaftsmediation an. 

Die Mediation ist ein vielfach bewährtes Verfahren zur Beilegung eines möglichen oder bestehenden Konflikts. Die Teilnahme der Konfliktparteien (Medianten) ist für jede/n freiwillig. Geleitet wird das Verfahren durch einen unabhängigen, neutralen und überparteilichen Mediator, der nicht die Lösung vorgibt, sondern die Medianten bei ihrer selbständigen Lösungsfindung unterstützt und begleitet. Im Rahmen des Mediationsverfahrens bekommt jede Konfliktpartei in einem geschützten Umfeld die Gelegenheit, ihren eigenen Standpunkt und die eigenen Interessen zu vertreten. Dabei geht es nicht um die Frage, wer hat Schuld oder wer hat recht, sondern allein darum herauszufinden, welche Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen hinter einem Konflikt stehen und was die Beteiligten jeweils tatsächlich wollen. Nach der Interessenklärung erarbeiten und verhandeln die Konfliktparteien gemeinsam unter der Leitung des Mediators verschiedene Lösungsmöglichkeiten, bis am Ende eine einvernehmliche und für alle Beteiligten interessengerechte Lösung gefunden wird.

Schon bei der Regelung von Erbschaften und/oder Unternehmensnachfolgen kann eine präventive Erbschaftsmediation sinnvoll sein. Ziel einer solchen Mediation ist es beispielsweise, im Vorfeld der Errichtung eines Testaments oder Erbvertrages dem Erblasser und den potentiellen Erben die Gelegenheit zu geben, in Mediationsgesprächen ihre jeweils eigenen Standpunkte, Lebensentwürfe, Interessen und Ideen zu äußern und am Ende eine Erbschafts- und Nachfolgeregelung zu konzipieren, die vom Erblasser sowie allen potentiellen Erben befürwortet wird, einen möglichen späteren Konflikt von vorneherein vermeidet und den Familienfrieden wahrt. 

IV. Vorteile der Mediation

Anders als bei einem Gerichts- oder Schiedsgerichtsverfahren bleiben die Medianten bei einem Mediationsverfahren bis zum Schluss Herr des Verfahrens und entscheiden eigenverantwortlich selbst.

Es geht auch nicht nur um rechtliche Fragen, welche rechtlichen Ansprüche bestehen und ob deren Voraussetzungen erfüllt oder nachgewiesen sind, sondern um den gesamten Konflikt mit all seinen Facetten (Interessen, Bedürfnisse, Wünsche).

Ziel einer Mediation ist die tatsächliche Lösung des gesamten Konfliktes, die allen Seiten gerecht wird. Denn erst wenn die Lösung umfassend ist und von allen akzeptiert wird, ist sie nachhaltig. Und nur so wird der Blick frei für die Zukunft.

Die Mediation findet streng vertraulich und in einem geschützten Umfeld statt. Sitzungsorte und -zeiten sind zwischen dem Mediator und den Medianten frei vereinbar, ebenso wie häufig und lange man sich trifft. Damit ist das Mediationsverfahren sehr flexibel und wesentlich schneller als jedes Gerichtsverfahren. 

Die Kosten eines Mediationsverfahrens liegen ebenfalls in aller Regel deutlich unterhalb der Kosten für ein Gerichtsverfahren erster Instanz oder ein Schiedsgerichtsverfahren. Der Mediator rechnet seine Tätigkeit üblicherweise nach Stunden- oder Tagessätzen ab.

V. Unser Tipp

Als potentieller Verfasser eines Testaments oder Erbvertrages, potentieller Erbe oder Mitglied einer Erbengemeinschaft sollten Sie die Möglichkeiten und Vorteile einer Erbschaftsmediation kennen. Dies gilt insbesondere, wenn zum Nachlass auch die Beteiligung an einem Familienunternehmen gehört.

Die Erbschaftsmediation ist eine aus mehreren Gründen empfehlenswerte Methode, um in Fällen der Regelung von Erbangelegenheiten, Unternehmensnachfolgen und Erbauseinandersetzungen eine für alle Beteiligten interessengerechte Lösung zu finden und den Familienfrieden auch künftig zu wahren. Sie eignet sich sowohl als präventive Mediation zwischen dem Erblasser und den potentiellen Erben zur Konzeption eines Testaments oder Erbvertrages, als auch zur Konfliktvermeidung und Erbauseinandersetzung von Erben, insbesondere Erbengemeinschaften.

Die Konfliktparteien bleiben bis zum Schluss eigenverantwortliche Herren des Mediationsverfahrens. Das Verfahren ist streng vertraulich und führt in den meisten Fällen zu nachhaltigen und vergleichsweise schnellen Lösungen. Neben der hohen allseitigen Akzeptanz des Mediationsergebnisses spricht auch der Kostengesichtspunkt für eine Erbschaftsmediation.

(Stand: 03.05.2021)

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