Digital Jetzt - Neue Förderung für die Digitalisierung des Mittelstands

Special 11/2020

 

I. Ausgangslage

Digitale Technologien und Know-how entscheiden in der heutigen Arbeits- und Wirtschaftswelt über die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Auch immer mehr mittelständische Unternehmen erkennen die neuen wirtschaftlichen Chancen, welche die Digitalisierung eröffnet. Zudem ermöglichen Technologien neue Geschäftsmodelle, intelligente Arbeits- und Produktionsprozesse, eine effektivere Kundengewinnung und eine bessere Vernetzung. Somit sind digitale Kompetenzen und digital geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wesentlicher Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.

Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass es in vielen Unternehmen noch erheblichen Digitalisierungsbedarf gibt. Um die Ausnutzung der wirtschaftlichen Potenziale der Digitalisierung zu ermöglichen, unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mittelständische Unternehmen mit dem Programm Digital Jetzt – Investitionsförderung für KMU. Das Programm bietet finanzielle Zuschüsse und soll Unternehmen dazu anregen, mehr in digitale Technologien sowie in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten zu investieren.

II. Das Förderprogramm im Einzelnen

1. Berechtigte Antragsteller

Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen einschließlich des Handwerks und der freien Berufe aus allen Branchen, die zwischen 3 bis 499 Mitarbeiter beschäftigen. Sie müssen außerdem eine Niederlassung bzw. Betriebsstätte in Deutschland haben, in der die Investition erfolgt. Weitere Voraussetzung für die Förderung ist die Vorlage eines Digitalisierungsplans. Dieser

  • beschreibt das gesamte Digitalisierungsvorhaben,
  • erläutert die Art und Anzahl der Qualifizierungsmaßnahmen,
  • zeigt den aktuellen Stand der Digitalisierung im Unternehmen und die Ziele, die mit der Investition erreicht werden sollen,
  • stellt bspw. dar, wie die Organisation im Unternehmen effizienter gestaltet wird, wie sich das Unternehmen neue Geschäftsfelder erschließt, wie es ein neues Geschäftsmodell entwickelt und/oder seine Marktposition gestärkt wird.

Nicht gefördert werden folgende Unternehmen:

  • Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung
  • Gemeinnützige Unternehmen
  • Unternehmen des öffentlichen Rechts und Religionsgemeinschaften sowie deren Beteiligungen
  • Unternehmen in Gründung
  • Vereine
  • Stiftungen
  • Insolvente Unternehmen und Unternehmen in Schwierigkeiten (VO (EU) Nr. 651/2014)

2. Geförderte Investitionen

KMU, Handwerk und freie Berufe können im Rahmen zweier Module Zuschüsse von bis zu 70% für Investitionen beantragen:

Fördermodul 1: Investition in digitale Technologien:

Das Modul unterstützt Investitionen in Soft- und Hardware, insbesondere für die interne und externe Vernetzung des Unternehmens.

Im Rahmen dieses Moduls werden Investitionen in digitale Technologien und damit verbundene Prozesse und Änderungen im Unternehmen gefördert. Diese Investitionen müssen vom Antragssteller konkret benannt werden. Hierzu gehören insbesondere Hard- und Software, welche die interne und externe Vernetzung der Unternehmen fördern wie bspw. datengetriebene Geschäftsmodelle, künstliche Intelligenz, Cloud-Anwendungen, Big-Data, Einsatz von Hardware sowie IT-Sicherheit und Datenschutz. 

Fördermodul 2: Investition in die Qualifizierung der Mitarbeitenden:

Das Modul unterstützt Unternehmen dabei, Beschäftigte im Umgang mit digitalen Technologien weiterzubilden.

Im Rahmen dieses Moduls werden Investitionen, die die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens verbessern, insbesondere bei der Erarbeitung und Umsetzung einer digitalen Strategie im Unternehmen sowie bei IT-Sicherheit und Datenschutz, aber auch ganz grundsätzlich zu digitalem Arbeiten und den nötigen Basiskompetenzen gefördert.

Unternehmen können entweder in einem oder in beiden Modulen eine Förderung beantragen. Werden beide Module in Anspruch genommen, müssen diese nicht unbedingt inhaltlich zusammenhängen.

Die vorgenannten Investitionen sind nur dann förderfähig, wenn mit dem Vorhaben zum Zeitpunkt der Bewilligung noch nicht begonnen worden ist.

Nicht förderfähig sind Investitionen in:

  • Standardhardware bzw. –software, die nicht direkt im Bezug zum Digitalisierungsvorhaben oder den Förderzielen stehen,
  • Ersatz- oder Routine-Investitionen, z.B. zusätzliche Computer für eine wachsende Mitarbeiterzahl oder Updates von Software ohne grundlegende neue Funktionen,
  • die erstmalige Grundausstattung mit Informations- und Kommunikationstechnologie,
  • Zusatzaufgaben wie z.B. Personal-, Verwaltungs- und Reiseausgaben des antragstellenden Unternehmens,
  • Leistungen von Unternehmen, die mit dem antragstellenden Unternehmen verbunden sind, z.B. in einem Konzern als Tochterunternehmen,
  • den Einsatz von eigenen Entwicklungskapazitäten für Innovationen des antragstellenden Unternehmens,
  • Beratungsleistungen, insbesondere zur Erstellung des Digitalisierungsplans.

3. Höhe der Förderung

Die Höhe der Förderung ist von der Größe des Unternehmens abhängig. Alle Anträge, die bis zum 30.06.2021 eingereicht werden, erhalten eine höhere Förderquote, um die Auswirkungen, die sich auf die Pandemie zurückführen lassen, abzumildern. Diese Förderquoten betragen

  • bis 50 Mitarbeitende: 50% (+ eventuelle Bonusprozentpunkte)
  • bis 250 Mitarbeitende: 45% (+ eventuelle Bonusprozentpunkte)
  • bis 499 Mitarbeitende: 40% (+eventuelle Bonusprozentpunkte)

Für Anträge, die ab dem 01.07.2021 eingehen, sinkt die Förderquote in der jeweiligen Kategorie um jeweils 10%.

Zusätzliche Bonusprozentpunkte erhalten:

  • KMU aus strukturschwachen Regionen (+10%)
  • Betriebe mit Investitionsvorhaben in die eigene IT-Sicherheit /Datenschutz (+5%)
  • Unternehmen, die innerhalb bestehender Wertschöpfungsnetzwerke Geschäftsmodelle (+5%) erschließen.

Wenn alle der drei genannten Punkte erfüllt werden, steigt die Förderquote um insgesamt 20 Prozentpunkte. Somit können Unternehmen durch die zusätzlichen Bonusprozentpunkte bis zu 70% Förderung erhalten.

Die maximale Fördersumme beträgt 50.000 Euro pro Unternehmen. Bei Investitionen von Wertschöpfungsketten und/oder –netzwerken kann sie bis zu 100.000 Euro pro Unternehmen betragen. Die Untergrenze für die Fördersumme beträgt 17.000 Euro in Modul 1 und 3.000 Euro in Modul 2.

Die Förderung wird als Zuschuss gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss. Die Auszahlung des Zuschusses erfolgt jedoch erst nach erfolgreicher Verwendungsnachweisprüfung.

Insgesamt stehen für das Förderprogramm 203 Mio. Euro zur Verfügung (bis Ende 2020 40 Mio. Euro).

4. Antragstellung

Der Antrag auf Förderung ist über ein elektronisches Antragsformular auf dem Förderportal des BMWI unter https://www.digitaljetzt-portal.de/ zu stellen. Für den Antrag notwendige Unterlagen bzw. Anlagen werden ausschließlich elektronisch hochgeladen. Das Antragstool führt den Antragstellenden sicher durch die Themenblöcke:

  • Registrierung
  • Unternehmensdaten
  • Kontaktdaten des Antragstellenden
  • Digitalisierungsplan
  • Finanzierungsplan

Das Tool zur Antragstellung wurde am 07.09.2020 freigeschaltet. Aufgrund der Vielzahl der Anträge ist es derzeit allerdings nicht möglich, sich zu registrieren oder Anträge zu stellen. Die letzte Regis-trierungsmöglichkeit wurde am 15.10.2020 mit einem Kontingent entsprechend der Bindung der restlichen Fördermittel für 2020 geöffnet. Insgesamt haben am 15.10.2020 über 6000 Unternehmen versucht, sich für das Restkontingent für 2020 zu bewerben, was zu längeren Ladezeiten und teilweise Anzeige von Fehlermeldungen auf den Anmeldeportal geführt hat. Das Kontingent war daher für 2020 innerhalb kurzer Zeit aufgebraucht. Die Registrierung wird jedoch in Kürze wieder öffnen. Bereits im Anmeldeportal registrierte Unternehmen können Ihre Anträge im Antragstool vorbereiten, speichern und am 02.11.2020 ab 9 Uhr einreichen, bis das Kontingent für 2020 in Höhe von 40 Mio. Euro erreicht ist. 

Insgesamt können Anträge noch bis zum 31.12.2023 gestellt werden.

III. Fazit

Mit dem Programm Digital Jetzt – Investitionsförderung für KMU werden die bereits bestehenden Fördermöglichkeiten für die Digitalisierung des Mittelstands auf Bundes- und Länderebene erweitert. Aufgrund einer überwältigenden Nachfrage wurde die Antragsseite auf dem Förderportal des BMWI bereits nach kurzer Zeit wieder geschlossen. Das zeigt, dass das neue Förderprogramm sehr passgenau auf den Bedarf im Mittelstand reagiert. Insgesamt stehen für das Förderprogramm 203 Mio. Euro zur Verfügung (bis Ende 2020
40 Mio. Euro), so dass in den nächsten Monaten noch viele Digitalisierungsprojekte unterstützt werden können. Sollten Sie derartige Investitionen planen und noch keinen Antrag gestellt haben, zögern Sie nicht mit der Antragstellung. Hierbei sind wir Ihnen gerne behilflich.

(Stand: 03.11.2020)

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