PNHR-Aktuell Sonderausgabe Corona 11.0

News 06/2020, Sonderausgabe Corona

 

Bitte beachten Sie, dass die Thematik aufgrund der dynamischen Entwicklung derzeit nahezu täglich Änderungen erfährt. Die nachfolgenden Informationen stellen den aktuellen Rechtsstand zum 05.06.2020 dar. Für Detailfragen oder Sonderfragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Mit der vorliegenden Sonderausgabe Corona 11.0 geben wir Ihnen aktuelle Informationen mit bisherigen Erfahrungswerten sowie Schwerpunkten zu den Themen Konjunkturpaket und steuerliche Behandlung des Kurzarbeitergeldes.

Unsere bewährte Übersicht haben wir erneut aktualisiert beigefügt.


Aktuell: Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket

Der Koalitionsausschuss der großen Koalition hat am 3. Juni 2020 ein Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket beschlossen mit einem Gesamtvolumen von 130 Mrd. Euro. (https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Konjunkturpaket/2020-06-03-eckpunktepapier.pdf?__blob=publicationFile&v=8)

Die wichtigsten Maßnahmen aus steuerlicher Sicht sind folgende (die Nummerierung ist gleichlautend mit derjenigen der Veröffentlichung):

1. Der Mehrwertsteuersatz wird für Umsätze zwischen dem 1. Juli und 31.12.2020 von 19 % auf 16 % gesenkt und der ermäßigte Steuersatz von 7 % auf 5 %. Diese Regelung soll den Konsum anregen in der Annahme, dass die Preise für Endverbraucher günstiger werden. Sie bietet aber auch Unternehmen eine höhere Ertragschance, wenn der Abgabepreis gleichbleibt oder um weniger als 3 % sinkt. Zudem erhöht sich der Spielraum für nötige Abverkäufe. Wie immer bei Änderungen des Mehrwertsteuersatzes werden die Umsatzabgrenzungen zum 1. Juli 2020 sowie zum 1. Januar 2021 ein kritisches Thema mit Chancen und Risiken sein.

2. Die Sozialversicherungsbeiträge sollen für 2020 und 2021 auf 40 % gedeckelt werden. Darüber hinaus gehender Finanzbedarf der Sozialversicherungsträger wird durch den Bund getragen. Diese Deckelung schützt sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber, wobei hier die Einzelheiten der gesetzlichen Regelungen noch abzuwarten sind.

3. Die EEG-Umlage, die aus verschiedenen Gründen zukünftig erheblich steigen wird, wird für 2021 auf 6,5 Cent je Kilowattstunde und für 2022 auf 6,0 Cent je Kilowattstunde festgeschrieben.

4. Die Fälligkeit der Einfuhrumsatzsteuer wird auf den 26. des Folgemonats verschoben.

5. Der steuerliche Verlustrücktrag wird für die Jahre 2020 und 2021 auf 5 Mio. Euro (bisher 1 Mio. Euro) bzw. 10 Mio. Euro (bisher 2 Mio. Euro) bei Zusammenveranlagung erhöht. Bei Kapitalgesellschaften liegt das Limit bei 5 Mio. Euro statt 1 Mio. Euro. Die Formulierung könnte darauf hinweisen, dass dies eine Erweiterung auf eine 2-jährige Rücktragsmöglichkeit (Verlust 2021 auf Gewinn 2019) bedeutet. Ausdrücklich formuliert ist dies allerdings nicht.

Der Verlustrücktrag soll finanzwirksam bereits bei der Steuererklärung 2019 nutzbar gemacht werden, vermutlich über die Bildung einer außerbilanziellen steuerlichen Corona-Rücklage, die spätestens zum Jahresende 2022 aufzulösen ist.

6. Die degressive AfA erfährt eine Wiederbelebung. Für Anschaffungen beweglicher Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in den Jahren 2020 und 2021 darf die AfA um den Faktor 2,5 gegenüber der derzeit geltenden AfA erhöht werden, allerdings maximal 25 % betragen.

7. Das in den vergangenen Jahren hin und wieder diskutierte Optionsmodell, wonach sich Personengesellschaften auf Antrag wie Kapitalgesellschaften besteuern lassen können, soll umgesetzt werden, was zwangsläufig dauerhaft sein wird.

Die einkommensteuerliche Anrechnung der Gewerbesteuer bei Personen mit gewerblichen Einkünften wird vom 3,8-fachen des Gewerbesteuermessbetrags auf das 4,0-fache erhöht.

8. Die Attraktivität von Mitarbeiterbeteiligungen soll (steuerlich) erhöht werden; in welcher Form ist unklar.

9. Das Entschuldungsverfahren für natürliche Personen nach einer Insolvenz soll von 7 auf 3 Jahre verkürzt werden. Im Bereich der Unternehmensinsolvenzen soll ein vorinsolvenzliches Restrukturierungsverfahren eingeführt werden.

10. und 11.: Investitionen des Bundes und Vereinfachung des Vergaberechts.

12. Im September soll eine verlässliche Regelung für den Bezug von Kurzarbeitergeld ab dem 1. Januar 2021 beschlossen werden.

13. Das angekündigte Programm für Überbrückungshilfen wird umgesetzt. Es gilt für KMU und berechtigt sind solche Unternehmen, deren Umsätze Corona-bedingt in April und Mai 2020 um mindestens 60 % gegenüber April und Mai 2019 rückgängig gewesen sind und deren Umsatzrückgänge in den Monaten Juni bis August 2020 um mindestens 50 % fortdauern. Erstattet werden bis zu 50 % der fixen Betriebskosten bei einem Umsatzrückgang von mindestens 50 % gegenüber dem Vorjahresmonat und 80 % bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 %. Der maximale Erstattungsbetrag beträgt 150.000 € für drei Monate. Für kleine KMU soll bei Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten der Erstattungsbetrag von 9.000 € und bei Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten 15.000 € nur in begründeten Ausnahmefällen überschritten werden. Achtung: Diese Überbrückungshilfen sind als Fördertopf auf € 25 Mrd. Euro beschränkt (Windhund-Rennen), sodass derjenige leer ausgehen kann, der zu spät beantragt. Die Antragsfristen enden jeweils spätestens am 31.08.2020 und die Auszahlungsfristen am 30.11.2020. Für den Nachweis der Umsatzrückgänge und fixen Betriebskosten sollen Bestätigungen durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer vorgelegt werden müssen.

14. Der vereinfachte Zugang zur Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) wird bis zum 30.09.2020 verlängert.

15. Stabilisierung gemeinnütziger Organisationen: Kredit-Sonderprogramm über die KfW.

16. Kulturprogramm: Förderung der Kulturinfrastruktur, Nothilfe, Mehrbedarf von Einrichtungen und Projekten.

17. Förderung der Forstwirtschaft

18. Unterkunftsförderung für Kommunen

19. Der Freibetrag für die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungstatbestände wird auf 200.000 € erhöht. Bisher gibt es einen Freibetrag von 100.000 €, insbesondere für 25 % der Zinsaufwendungen, 20 % der Mieten und Pachten von beweglichen Wirtschaftsgütern, 50 % der Miete und Pachten für Immobilien sowie 25 % der gezahlten Lizenzgebühren. Es kann vermutet werden, dass diese Regelung nur für 2020 gilt.

Weitere Punkte des Programms:

Es soll ein einmaliger Kinderbonus von 300 € für jedes kindergeldberechtigte Kind gezahlt werden. Der Fördersatz der steuerlichen Forschungszulage soll erhöht werden und die Kfz-Steuer stärker an CO2-Emissionen ausgerichtet werden und ebenso die Kaufanreize für reine Elektrofahrzeuge und Hybridfahrzeuge erhöht werden. Der Entlastungsbeitrag für Alleinerziehende soll von derzeit 1.908 € auf 4.000 € für 2020 und 2021 erhöht werden.

Unternehmen, die in 2020 ihr Ausbildungsplatzangebot im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern, erhalten für jeden neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag eine Einmalprämie in Höhe von 2.000 €, die nach Ende der Probezeit ausgezahlt wird. Unternehmen, die das Angebot sogar erhöhen, erhalten für die zusätzlichen Ausbildungsverträge 3.000 €. Voraussetzung ist, dass weder Ausbilder noch Auszubildende auf Kurzarbeit gesetzt werden.

Weiterhin will sich die Bundesregierung bei der EU-Kommission dafür einsetzen, dass ein befristetes europaweites Flottenerneuerungsprogramm 2020/21 für schwere Nutzfahrzeuge zur Anschaffung von Lkw der neuesten Abgasstufe Euro 6 aufgelegt wird. Der Zuschuss soll 15.000 € vorsehen für Austausch von Euro 5-Lkw und 10.000 € für den Austausch von Euro 3 oder Euro 4 Fahrzeugen.


I. Steuerzahlungen und Sozialversicherung

1. Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen

Im letzten Newsletter hatten wir noch berichtet, dass eine Regelung bezüglich einer Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen ab dem Monat Mai 2020 bislang nicht getroffen wurde. Diese wurde nunmehr durch das Schreiben des GKV-Spitzenverbands vom 19.05.2020 klargestellt, wonach letztmalig für die Sozialversicherungsbeiträge für den Monat Mai 2020 eine Stundung im vereinfachten Stundungsverfahren beantragt werden kann. Sozialversicherungsbeiträge sind spätestens am drittletzten Bankarbeitstag des Monats fällig. Sowohl für die Fortsetzung der Stundung für die Beiträge der Monate März und April als auch für die Beiträge des Monats Mai ist ein erneuter Antrag erforderlich. Dieser muss bis zum 26.07.2020 gestellt werden. Im Gegensatz zum normalen Stundungsverfahren bedarf es beim erleichterten Stundungsverfahren keiner Sicherheitsleistung. Stundungszinsen werden nicht berechnet, Säumniszuschläge oder Mahngebühren sollen nicht erhoben werden. Soweit diese bereits erhoben wurden oder noch werden, sollen sie auf Antrag des Arbeitgebers erlassen werden.

Beim Stundungsantrag ist darzulegen, welche konkreten ergänzenden Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen der vom Bund oder den Ländern bereitgestellten Rettungsschirme, wie etwa Fördermittel und Kredite, in Anspruch genommen oder bereits beantragt wurden.

Im Antrag auf Stundung ist zu versichern, dass auf das Kurzarbeitergeld entfallende, zuvor gestundete Beiträge zur Sozialversicherung unverzüglich nach Erstattung durch die Bundesagentur für Arbeit an die Einzugsstelle geleitet werden.

2. Corona-Steuerhilfegesetz

In unserer Ausgabe Corona 9.0 vom 08.05.2020 hatten wir über den Entwurf des sogenannten Corona-Steuerhilfegesetzes berichtet. Mit dem heutigen Tage hat der Bundesrat dem am 28.05.2020 bereits durch den Bundestag angenommenen Gesetzesentwurf zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Corona-Steuerhilfegesetz) zugestimmt.


II. Fristen

Wie in Corona 7.0 und 10.0 berichtet, wurden faktisch die Einreichungsfristen für Jahresabschlüsse 2018 beim Bundesanzeiger auf den 12.06.2020 verlängert. Dieser Termin naht, sodass die Einreichung kurzfristig vorgenommen werden sollte.


III. Finanzielle Hilfen

1. Kurzarbeitergeld und Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz IfSG

Auch wenn das Kurzarbeitergeld lohnsteuerfrei ist (§ 3 Nr. 2a EStG) und eine Verdienstausfallentschädigung nach § 56 Abs. 1 IfSG steuerfrei ist (§ 3 Nr. 25 EStG) bedeutet dies nicht, dass diese keine Berücksichtigung bei der Einkommensteuererklärung finden. Kurzarbeitergeld und Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz sind vielmehr als Lohnersatzleistungen im Lohnkonto aufzuzeichnen und in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung auszuweisen. Für betroffene Mitarbeiter darf der Arbeitgeber keinen Lohnsteuer-Jahresausgleich durchführen, auch der sogenannte permanente Lohnsteuer-Jahresausgleich ist bei Arbeitnehmern, die derartige Entschädigungen bezogen haben, unzulässig. Derartige Leistungen unterliegen dem steuererhöhenden Progressionsvorbehalt (§ 32b Abs. 1 Nr. 1a bzw. e EStG). Die Betroffenen müssen deshalb eine Einkommensteuererklärung abgeben. Die Lohnersatzleistungen werden dabei dem zu versteuernden Einkommen fiktiv zugerechnet und dafür der maßgebende Steuersatz berechnet. Mit diesem Steuersatz wird die Einkommensteuer für das tatsächlich zu versteuernde Einkommen multipliziert. Es bleibt also bei der Steuerfreiheit, dafür gilt aber für das restliche Einkommen ein höherer Steuersatz.

Auch der steuerfreie Arbeitgeberzuschuss zum Kurzarbeitergeld ist in der Lohnsteuerbescheinigung auszuweisen und unterliegt dem Progressionsvorbehalt (§ 32 b Abs. 1 S. 1 Nr. 1 g EStG).

2. Kurzarbeitergeld und Minijob

Sofern ein Arbeitnehmer bereits vor der Kurzarbeit eine Nebentätigkeit neben einer Hauptbeschäftigung ausgeübt hatte und diese lediglich fortsetzt, konnte schon bisher der Arbeitnehmer seinen Nebenjob fortführen, ohne dass es Abzüge beim Kurzarbeitergeld gibt. Durch die Neuregelungen im Sozialschutzpapier I und II wird auch bei Arbeitnehmern, die in ihrer Hauptbeschäftigung in Kurzarbeit gegangen sind und jetzt bei einer anderen Firma einen Minijob aufnehmen, der Verdienst aus dem Minijob nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Auch ein vorübergehendes Überschreiten der zulässigen Entgeltgrenze von 450,-- Euro monatlich aufgrund von Mehrarbeit ist unschädlich, wenn es sich um ein gelegentliches, unvorhergesehenes Überschreiten handelt und dies den Regelungen für Minijobs entspricht.

3. NRW-Soforthilfe für Gründerinnen und Gründer

Wie bereits berichtet, besteht seit dem 14.05.2020 nunmehr auch für nach dem 31.12.2019 gegründete Unternehmen die Möglichkeit, die Soforthilfe über einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe (z. B. Steuerberater) zu beantragen. Die entsprechende Antragsseite lautet: www.gruender-soforthilfe-corona.nrw.de.

Auch hier gilt, dass der Zuschuss nur eingesetzt werden darf für lfd. Betriebskosten, wie Mieten, Kredite, Betriebsräume, Leasingraten, während Lebenshaltungskosten und Personalkosten nicht abgedeckt sind. Der Antragsteller muss versichern, dass die wirtschaftliche Tätigkeit durch die Covid-19-Pandemie wesentlich beeinträchtigt ist, da entweder

  • mehr als die Hälfte der Aufträge aus der Zeit vor dem 11.03.2020 durch die Covid-19-Pandemie weggefallen sind, oder
  • die Umsätze gegenüber dem Vormonat oder dem Zeitraum der bisherigen Geschäftstätigkeit mehr als halbiert sind, oder
  • die Umsatzerzielungsmöglichkeiten durch eine behördliche Auflage im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie massiv eingeschränkt wurden.

4. NRW Soforthilfe

Wir hatten in unserer letzten Ausgabe berichtet, dass Soloselbstständige, Freiberufler und Inhaber von Einzelunternehmen und Personengesellschaften einmalig einen pauschalen Betrag für die Monate März und April 2020 von insgesamt 2.000 EUR für Lebenshaltungskosten oder einen (fiktiven) Unternehmerlohn bei der Berechnung des Liquiditätsengpasses im Verwendungsnachweis ansetzen dürfen.

Aus den FAQ der NRW-Soforthilfe 2020 ergibt sich nunmehr, dass für die Berechnung des Liquiditätsengpasses im Verwendungsnachweis alle Zuschussempfänger ein Schreiben von der Bezirksregierung erhalten werden, mit einem entsprechenden Vordruck sowie einer Ausfüll-Anleitung.

5. Kurzarbeitergeld für Vertragsarztpraxen

Hier müssen wir unsere Mitteilung im letzten Newsletter aktualisieren. Während nach einer bisherigen internen Weisung der Bundesagentur für Arbeit Vertragsarztpraxen kein Kurzarbeitergeld zur Überbrückung von wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch die Corona-Pandemie erhalten sollten, weil die mit dem Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz beschlossenen Ausgleichszahlungen für Vertragsärzte und Psychotherapeuten (GKV-Schutzschirm) wie eine Betriebsausfallversicherung wirkten, sodass die erforderlichen wirtschaftlichen Gründe für den Anspruch auf Kurzarbeitergeld fehlten, gibt es eine neue Weisung der Bundesagentur für Arbeit vom 07.05.2020, nach der auch die in Vertragsarztpraxen beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dem Grunde nach Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben. Es erfolgt nunmehr eine Einzelfallprüfung. Der vertragsärztliche Schutzschirm sichert nur Umsatzausfälle aus der Tätigkeit innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung ab. Einnahmen beispielsweise aus privatärztlicher oder arbeitsmedizinischer Tätigkeit fallen dagegen nicht darunter, machen aber in vielen Praxen einen hohen Anteil an den Gesamteinnahmen aus. Trotz des Schutzschirms kann es daher Einnahmeverluste geben, die die Voraussetzungen von Kurzarbeitergeld erfüllen.

6. Änderungen bei Elterngeld und Elternzeit wegen Corona

Der Bundestag hat am 07.05.2020 einen Gesetzesentwurf zu Anpassungen beim Elterngeld verabschiedet, der vom Bundesrat am 15.05.2020 beschlossen wurde. Durch die Gesetzesänderung bekommen Eltern in systemrelevanten Berufen die Möglichkeit, die Elterngeldmonate auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Sie können die Elterngeldmonate auch nach dem 14. Lebensmonat des Kindes nehmen, spätestens zum Juni 2021. Die später genommenen Monate verringern bei einem weiteren Kind nicht die Höhe des Elterngeldes. Der Partnerschaftsbonus, eine zusätzliche Leistung, die Mütter und Väter bekommen, die beide in Teilzeit arbeiten, um sich die Kindererziehung zu teilen, entfällt nicht oder muss nicht zurückgezahlt werden, wenn Eltern aufgrund der Pandemie mehr oder weniger arbeiten als geplant.

Während des Bezugs von Elterngeld reduzieren Einkommensersatzleistungen, die Eltern aufgrund der Pandemie erhalten, die Höhe des Elterngelds nicht. Um Nachteile bei der späteren Elterngeldberechnung auszugleichen, können werdende Eltern diese Monate auch bei der Elterngeldberechnung ausnehmen.


IV. Liquiditätshilfen

1. Macher-Hilfe

Für kleine und mittelständische Unternehmen bis 50 Mitarbeiter gibt es als Hilfestellung zur Orientierung über die zur Verfügung stehenden Liquiditäts- und sonstigen Hilfen sowie Bürgschaften eine gemeinnützige Internet-Plattform unter www.macher-hilfe.de.

Neben einer Auflistung der zur Verfügung stehenden Programme werden hier im Staatshilfe-Navigator die individuellen Voraussetzungen des Hilfesuchenden durch neun kurze Fragen in Form eines Hilfe-Checks eruiert. Nach Beantwortung folgt eine individuelle Fördermittelübersicht mit Links zu weiteren Informationen und zur Beantragung.

Zusätzlich wird ein E-Mail-Newsletter mit automatischen Updates angeboten.

So sollen Unternehmensinsolvenzen vermieden und der Mittelstand als Motor der Entwicklung in seiner Vielfalt erhalten bleiben.

2. Entschädigungsregelung (Lohnfortzahlung) für Eltern

Wir hatten bereits berichtet, dass nach dem neuen § 56 Abs. 1a InfSG Eltern eine Entschädigung erhalten, die wegen der notwendigen Betreuung von Kindern, die das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder behindert oder auf Hilfe angewiesen sind, während einer Pandemie Verdienstausfälle erleiden. Bisher war die Entschädigung in Höhe von 67 % des Nettoeinkommens auf sechs Wochen beschränkt und auf einen monatlichen Höchstbetrag von 2.016,-- Euro. Nunmehr wurden in einem Kabinettsbeschluss vom 20.05.2020 die sechs Wochen auf 10 Wochen für jeden Sorgeberechtigten verlängert. Erfolgt die Entgeltfortzahlung zunächst 10 Wochen für die Mutter und dann 10 Wochen für den Vater oder umgekehrt, entsteht also insgesamt ein Anspruch auf bis zu 20 Wochen. Für Alleinerziehende wird der Anspruch ebenfalls auf maximal 20 Wochen verlängert. Der Maximalzeitraum von 10 bzw. 20 Wochen kann über mehrere Monate verteilt werden. Bisher übernimmt der Arbeitgeber die Auszahlung, der bei der zuständigen Landesbehörde einen Erstattungsanspruch stellen kann.

3. KfW-Schnellkredit 2020

Bei diesem Programm hat die KfW für Missverständnisse gesorgt. Bei Ankündigung des Programms wurde von einem Zinssatz von 3 % gesprochen. Kurz darauf korrigierte die KfW dies mit der Angabe eines kapitalmarktorientierten Zinssatzes, der unter Hinweis auf andere KfW-Programme auf durchaus günstigere Zinssätze hätte hoffen lassen. Tatsächlich werden gewährte Schnellkredite fest mit 3 % verzinst. Eine Rückfrage bei der KfW hat bestätigt, dass die anderslautenden Informationen nicht richtig sind.


V. Sonstiges

1. Betriebsschließungsversicherung

Wir hatten bereits mitgeteilt, dass in der Regel bei reinen Betriebsunterbrechungsversicherungen als versicherte Gefahren lediglich Feuer, Leitungswasser, Blitz, Einbruch, Diebstahl und ähnliches versichert sind, was bei Betriebsschließungen aufgrund behördlicher Verfügung
oder Erlasse nicht hilft.

Sehen dagegen die Versicherungsbedingungen vor, dass zusätzlich zur klassischen Betriebsunterbrechungsversicherung eine Betriebsschließungsversicherung abgeschlossen wurde, war bisher streitig, ob dieser Zusatzbaustein auch greift bei dem neuen Erreger Covid-19, der erst seit dem 30.01.2020 meldepflichtig ist, da die Bedingungen Versicherungsschutz gewähren für meldepflichtige Krankheiten und Krankheitserreger, die in § 6 und 7 InfSG in der Fassung vom 20.07.2000 erwähnt werden. Hier hat nunmehr das Landgericht Mannheim mit Urteil vom 29.04.2020 entschieden, dass Versicherungsbedingungen stets aus Sicht eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers auszulegen sind und man daher zu dem Schluss kommen muss, dass aus Sicht eines Versicherungsnehmers auch Betriebsschließungen aufgrund Covid-19 Versicherungsschutz genießen.

Ferner war bei Hotels streitig, ob der Versicherungsfall eingetreten ist, weil lediglich touristische, nicht aber geschäftliche Übernachtungen untersagt waren und man daher nicht von einer Betriebsschließung im klassischen Sinne sprechen könne. Hier hat das Landgericht Mannheim festgestellt, dass die Situation – jedenfalls bis zum Tag der gerichtlichen Entscheidung am 29.04.2020 – eine faktische Schließung der Hotels darstellt, denn auch Geschäftsreisen seien stark eingeschränkt gewesen, weil Arbeitnehmer ins Homeoffice geschickt, Messen und Großveranstaltungen abgesagt und zahlreiche Betriebe ebenfalls geschlossen wurden.

Unabhängig davon verweisen wir auf eine Kulanzregelung, zu der sich etliche Versicherer im Rahmen der Betriebsunterbrechungsversicherung vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe bereit erklärt haben (vgl. Corona 7.0 vom 17.04.2020)

2. Corona-Info des IDW

Auch das Institut der Wirtschaftsprüfer IDW veröffentlicht auf seiner Homepage eine Zusammenstellung wichtiger Informationsquellen zur Corona-Krise (https://www.idw.de/idw/im-fokus/coronavirus), auf der sich auch ein Link zu unserer Homepage und unseren regulären und Sonderveröffentlichungen zum Thema findet.

 

Die Zusammenstellung aus unserer letzten Ausgabe haben wir in aktualisierter Form beigefügt. Die Änderungen bzw. Ergänzungen sind wieder grau hinterlegt.

(Stand: 08.06.2020)

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