Das häusliche Arbeitszimmer in Zeiten der Corona-Krise

Steuertipp 06/2020

 

I. Ausgangslage

In dieser Zeit des Social-Distancing hat sich die Arbeitsroutine vieler Menschen geändert. Der Arbeitsalltag spielt sich nicht wie gewohnt im Büro, sondern im häuslichen Arbeitszimmer ab. Wie lange dies noch der Fall sein wird, ist offen; fest steht jedoch, dass die Arbeit im Home-Office im 1. Halbjahr 2020 die Normalität vieler Arbeitnehmer darstellt. Im Folgenden möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick geben, wie und ob die Kosten, die Ihnen im Zusammenhang mit ihrem häuslichen Arbeitszimmer entstehen (beispielsweise die anteilige Miete, anteilige Abschreibung, anteilige Nebenkosten etc.), im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung steuerlich berücksichtigt werden können.

II. Allgemeines

Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind bis zu einem Höchstbetrag von 1.250,00 € steuerlich zu berücksichtigen, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Eine Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet. Aufwendungen für die Ausstattung des Arbeitszimmers bspw. Anschaffungskosten für einen Schreibtisch etc. fallen nicht unter die Abzugsbeschränkung und können neben dem oben genannten Höchstbetrag (ggf. über den Abschreibungszeitraum) als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich berücksichtigt werden. Dies gilt ebenfalls für Arbeitsmittel (z. B. Laptop, stationärer Computer usw.).

Ein häusliches Arbeitszimmer liegt vor, wenn der Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich betrieblich oder beruflich genutzt wird, d. h. eine gemischte Nutzung eines Raums ist ebenso schädlich wie eine fehlende feste oder bauliche Trennung bspw. im Fall einer Arbeitsecke. Dieses Begriffsverständnis hat sich sowohl in der Rechtsprechung als auch in der Ansicht der Finanzverwaltung etabliert.

Liegt ein häusliches Arbeitszimmer vor, ist zu unterscheiden, ob das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet. Hier stellt man eine Zusammenschau aller Tätigkeiten an. Übt z. B. ein Arbeitnehmer, dem für seine nichtselbständige Tätigkeit ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, nebenbei eine schriftstellerische Tätigkeit aus und steht ihm hierfür kein Arbeitsplatz zur Verfügung, stellt das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit dar. Ein unbegrenzter Abzug der Kosten ist in diesem Fall nicht möglich. Die anteiligen Kosten, die auf die schriftstellerische Tätigkeit entfallen, sind bis zu einem Höchstbetrag von 1.250,00 € steuerlich zu berücksichtigen. Der Höchstbetrag von 1.250,00 € ist hierbei personenbezogen und wird nicht zeitanteilig gekürzt, wenn das häusliche Arbeitszimmer nicht ganzjährig genutzt wird.

Aus Gründen des Infektionsschutzes ist es momentan vielen Arbeitnehmern untersagt oder nicht möglich, den außerhäuslichen Arbeitsplatz aufzusuchen. Das Tätigwerden im Homeoffice ist somit in vielen Fällen zwingend erforderlich, auch wenn grundsätzlich ein anderer Arbeitsplatz existiert, dieser jedoch aus aktuellen Gründen nicht zur Verfügung steht. Es ist somit zu prüfen, ob die im Home-Office ausgeübte Tätigkeit den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellt. Sollte dies der Fall sein, wären für den Zeitraum der Tätigkeit im Home-Office die auf das häusliche Arbeitszimmer entfallenden Kosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben in unbeschränkter Höhe abzugsfähig (ggf. unter der Beachtung spezieller Aufzeichnungspflichten im Bereich der Betriebsausgaben). Beispiele für Kosten sind: die anteilige Miete (Mietwohnung), Abschreibung (Eigenheim), Nebenkosten
oder Finanzierungskosten etc.

III. Unser Tipp

Sollte Ihr Arbeitgeber Sie aus Gründen des Infektionsschutzes vorübergehend ins Home-Office geschickt haben, so können Sie nicht nur tägliche Fahrtkosten sparen, sondern ggf. auch die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen. Beachten Sie jedoch, dass die Nachweispflicht hinsichtlich der oben genannten Voraussetzungen bei Ihnen als Steuerpflichtiger/(e) liegt. Alle Belege, die das häusliche Arbeitszimmer betreffen, sollten somit für die Steuererklärung aufbewahrt bzw. im Rahmen der Buchhaltung erfasst werden. Eine ggf. geschlossene schriftliche Vereinbarung mit Ihrem Arbeitgeber über Ihre Arbeit im Home-Office, Fotos des Arbeitszimmers und eine Skizze gehören hier ebenso dazu wie die Nachweise zu den oben genannten Kosten. Gerne stehen wir Ihnen bei der Geltendmachung der Kosten beratend zur Seite.

(Stand: 02.06.2020)

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