Steuerliche Behandlungen von Aufwendungen für Gesundheitsförderungen von Arbeitnehmern

Steuertipp 09/2019

 

I. Ausgangslage

Der Fachkräftemangel am deutschen Arbeitsmarkt hat sich in der jüngeren Vergangenheit verschärft. Die positive Entwicklung mit einer Tendenz zur Vollbeschäftigung führt auf der einen Seite dazu, dass Arbeitgeber zunehmend besondere Anstrengungen unternehmen, um neues Personal zu gewinnen und im Rahmen dessen, unter anderem auch Angebote im Bereich der Gesundheitsförderung machen. Auf der anderen Seite soll die Arbeitsfähigkeit von vorhandenem Personal durch Gesundheitsmaßnahmen sichergestellt und Langzeitkrankheitsbildern vorgebeugt werden. Das Zusammenwirken solcher Maßnahmen bezeichnet man als betriebsinternes Gesundheitsmanagement und fördert sowohl die Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen durch eine Attraktivitätssteigerung des Arbeitsplatzes. Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern grundsätzlich jede Form von Gesundheitsförderungsmaßnahmen anbieten (Sportkurse, Seminare, Sportverein- und Fitnessclubmitgliedschaften usw.) Durch eine geschickte Gestaltung ist es den Arbeitgebern dabei möglich, bei den unterschiedlichen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung eine steuerliche Begünstigung zu erwirken.

II. Grundsätzliche Möglichkeiten der steuerlichen Handhabung von Gesundheitsmaßnahmen

Die steuerliche Handhabung von Gesundheitsleistungen kann schematisch wie folgt dargestellt werden:

1. Maßnahmen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse

Wenn Leistungen des Arbeitgebers im ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse liegen, so liegt kein Arbeitslohn vor und die Leistungen sind nicht steuerbar. Typische Leistungen dieser Art sind Maßnahmen des Arbeitgebers zur Vorbeugung von spezifisch berufsbedingten Beeinträchtigungen der Gesundheit. Bei den Maßnahmen sollte es sich dabei um solche handeln, wo entsprechende Erfolge nachgewiesen sind. Unerheblich für die Nichtsteuerbarkeit dagegen ist es, ob der Arbeitgeber allen Beschäftigten oder nur einzelnen Arbeitnehmern diese Leistungen zukommen lässt. Zudem müssen die formellen Voraussetzungen des § 3 Nr. 34 EStG bei Vorliegen eines ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesses nicht erfüllt werden. Als Abgrenzungskriterium hat der BFH in seinem Urteil vom 11.03.2010 (IV R 07/08) folgende Aspekte genannt:

  • eine nahezu ausschließlich betriebsfunktionale Zielsetzung und
  • ein in den Hintergrund tretendes Interesse des Arbeitnehmers.

2. Steuerbefreite Maßnahmen nach § 3 Nr. 34 EStG

Die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 34 EStG wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2019 neu gefasst und an die Gesetzesänderungen des § 20 SGB V angepasst. Voraussetzung für die Steuerbefreiung ist eine Zertifizierung der Maßnahmen durch den GKV-Spitzenverband. Dabei prüft eine zentrale Prüfstelle die Eignung von Maßnahmen verhaltensbezogenen Individualpräventionen in den vier möglichen Handlungsfeldern Stressbewältigung / Entspannung, Ernährung, Bewegung und Suchtmittelkonsum. Die Befreiung von der Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht solcher Maßnahmen von der Steuer ist auf maximal 500 € je Arbeitnehmer gedeckelt. Eine Beschränkung durch eine Mindestanzahl an Kursteilnahmen ist nicht Voraussetzung für die Steuerbefreiung. Um spätere Nachweisprobleme in steuerlichen Außenprüfungen (Lohnsteueraußenprüfung) zu vermeiden, empfiehlt sich hier die Einholung einer Anrufungsauskunft (§ 42e EStG) betreffend der angedachten betrieblichen Gesundheitsförderungsmaßnahme. Die formellen Voraussetzungen für diese Art der Steuerbefreiung sind im Vergleich zu dem ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse liegenden Maßnahmen deutlich höher.

3. Weitere Möglichkeiten der Steuerbegünstigung

Unbeschadet der oben genannten Maßnahmen, die keine Steuer durch Nichtsteuerbarkeit oder Steuerbefreiung auslösen, besteht die Möglichkeit, dem Arbeitnehmer im Rahmen der bekannten 44 € (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG) Freigrenze Leistungen zukommen zu lassen.

Denkbar ist des Weiteren auch eine Pauschalierung der Lohnsteuer nach § 37b Absatz 2 EStG durch den Arbeitgeber.

III. Unser Tipp

Die Attraktivität eines Unternehmens kann durch das Angebot an gesundheitsfördernde Maßnahmen erhöht werden. Zugleich bleibt die Arbeitskraft der Arbeitnehmer durch die gezielte Gesundheitsförderung länger erhalten. Unternehmen müssen allerdings Besonderheiten berücksichtigen, um in den Genuss von Steuerbegünstigungen dieser Leistungen zu kommen.

Sollten Sie Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ihrer Beschäftigten planen und möchten über die steuerliche Gestaltungsmöglichkeit dieser mehr erfahren, so sprechen Sie uns gerne an. Wir erarbeiten gemeinsam mit Ihnen passgenaue individuelle Lösungen für die steuerliche Handhabung in Ihrem Betrieb.

(Stand: 03.09.2019)

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