Steuerliche Berücksichtigungsfähigkeit eines Verlusts aus privaten Darlehensforderungen

Steuertipp 06/2018

 

I. Ausgangslage

Seit der Unternehmenssteuerreform 2007 hat sich in Deutschland im Bereich der Besteuerung der Kapitaleinkünfte viel geändert. Neben der damals wie heute öffentlich diskutierten Einführung einer Abgeltungssteuer für Kapitalerträge wurde zudem auch die Steuerbarkeit von Veräußerungsgewinnen ungeachtet der Spekulationsfrist gesetzlich verankert. Vor der Unternehmenssteuerreform galt als allgemein anerkannt, dass Verluste, die aus der privaten Gewährung von Darlehen im Falle des Gläubigerausfalls entstehen, reines Privatvergnügen sind und damit auch keinerlei steuerliche Auswirkungen haben. Allenfalls betrieblich veranlasste Verluste aus Darlehen waren steuerlich zu berücksichtigen. Bei den Zinsen aus privaten Darlehen galt wiederum, dass diese selbstredend als Einkünfte aus Kapitalvermögen der Einkommensteuer unterliegen und voll zu versteuern sind. Der Gesetzgeber hat nunmehr den Kreis der zu versteuernden Gewinne aus Kapitalvermögen auch auf Wertsteigerungen ausgeweitet. Diese Ausweitung der Besteuerung kann sich aber unter Umständen auch als Vorteil für den Steuerpflichtigen erweisen.

II. Änderung der Rechtsprechung des BFH

Mit seinem Urteil vom 24.10.2017 (Az. VIII R 13/15) hat der BFH entschieden, dass Verluste aus privater Darlehensgewährung steuerlich Berücksichtigung finden müssen. In dem Verfahren stritt der Kläger mit der Finanzbehörde um die Anerkennung von Verlusten aus einer Darlehensgewährung im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung, nachdem über das Vermögen seines Schuldners das Insolvenzverfahren eröffnet worden war. Das Finanzamt und auch das Finanzgericht sahen die Verluste aus der privaten Darlehensforderung als nicht steuerbar an und verweigerten die Berücksichtigung. Dem hat der BFH klar widersprochen. Nachdem das Gesetz jegliche Wertsteigerung der Besteuerung unterwirft, kann es nur folgerichtig sein, wenn spiegelbildlich auch die Verluste steuerlich berücksichtigt werden.

Da es sich bei dem Verlust aus einem Darlehen um einen Tatbestand der Endbesteuerung handelt, muss der Ausfall der Forderung allerdings sicher feststehen. Die bloße Eröffnung des Insolvenzverfahrens reicht hierfür zunächst noch nicht aus, denn hier steht regelmäßig noch nicht fest, wie niedrig die Quote und wie hoch der Verlust letztlich tatsächlich ist. Anders verhält es sich aber, wenn das Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt wird oder die Befriedigungsquote für den Gläubiger festgestellt wurde. Dann ist bekannt und sicher, dass der offene Darlehensbetrag nicht mehr bzw. in welcher Höhe er nicht mehr eingetrieben werden kann.

Der steuerlich zu berücksichtigende Verlust besteht bei privat gewährten Darlehen aus dem Unterschiedsbetrag zwischen den Einnahmen aus den Rückzahlungen nach Abzug der Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Ausfall der Forderung stehen, und den Anschaffungskosten, zumeist dem Nennbetrag des Darlehens.

III. Unser Tipp

Sollten Sie in der Situation sein, dass privat gewährte Darlehen sich als unein-
bringlich erweisen, weil Ihr Schuldner insolvent ist, besteht die Möglichkeit, diesen Verlust im Rahmen Ihrer Steuererklärung als Verlust aus Kapitalvermögen geltend zu machen.

Zu beachten ist dabei freilich, dass die Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit Gewinnen aus anderen Einnahmequellen etwa aus Gewerbebetrieb oder Selbständigkeit verrechnet werden können. Jedoch gibt es die Möglichkeit, die Verluste aus dem Forderungsausfall mit anderen Kapitalerträgen zu verrechnen.

Zu beachten sind ebenfalls Besonderheiten bei Darlehen, die der Darlehensgeber einer Kapitalgesellschaft gewährt, an der er selbst beteiligt ist. Bei Ausfällen solcher Darlehen gibt es ebenfalls Besonderheiten, die nicht Gegenstand dieses Steuer-Tipps sind

Um den Tücken jedes Einzelfalls Rechnung zu tragen, stehen wir Ihnen gern mit Rat und Tat zur Seite.

(Stand: 04.06.2018)

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